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Archive für Oktober 2007

Frage: Was braucht es für die Anerkennung als MediatorIn beim BM?

Die Grundlagen für die Anerkennung als MediatorIn BM sind auf der Webseite des Bundesverbandes Mediation recht gut dokumentiert. Dort finden sich auch die folgenden Dokumente zum Download:Standards und Ausbildungsrichtlinien (349 KB)
Antrag auf Anerkennung (46 KB)
Checkliste für den Antrag (46 KB)
Leitfaden für die Dokumentation einer Mediation (57 KB)
Tipps zum Ausfüllen (213 KB)

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Kosten von Konflikten in Unternehmen

Konflikte verursachen Kosten. Nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch in Unternehmen. Und dort kosten sie oft richtig Geld. Was man allerdings nicht so ohne weiteres bemerkt.
Auf den Seiten von LUEGER NextTools (Österreich+Schweiz) finden sich Ergebnisse einer Studie, die sich mit den Kosten sogenannter Misfits beschäftigt. Misfits nennen sie Probleme, wo zwei oder mehrere Aspekte nicht optimal zusammen passen. So wie ich es verstehe, umfasst das Konzept mehr als nur den Konfliktbereich, aber ich denke, Konflikte haben einen sehr großen Anteil daran.

Unternehmen mit hohem “Misfits-Quotienten” haben u.a. einen höheren Krankenstand, geringeres Commitment und größere Fluktuation in der Belegschaft und stehen Veränderungen skeptischer gegenüber.

Das ist alles sehr schnell einleuchtend und den meisten von uns wahrscheinlich auch nicht neu. Interessant fand ich, das einzelne Ergebnisse der Studie - immerhin mit 3446 MitarbeiterInnen - dargestellt waren. Diese Daten können uns in Diskussionen bzgl. der Kosten von Konflikten einige konkrete, stichhaltige Argumente liefern.
Direkt Link zur Einleitung und zu den entsprechenden Unterseiten:

Frage: “Muss man sich (immer) an das Phasenmodell halten?”

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“Manchmal finde ich es anstrengend oder sogar stressig, mich in der Mediation an das Phasenmodell zu halten. Muss man sich immer daran halten?”

Bevor ich darauf antworte, hier eine kleine Geschichte:

Über die Kunst des Loslassens zur rechten Zeit

Karl Wallenda war der Patriarch der “Fliegenden Wallendas”, einer der bemerkenswertesten Hochseilartisten in der Zirkusgeschichte. Der Höhepunkt ihrer Vorstellung war eine dreistöckige Sieben-Personen-Pyramide, in der sich die Truppe auf Seilen hoch über der Manege die Gesamtlänge des Zirkuszelts entlangbewegte. Da sie wie immer ohne Netz arbeiteten, war diese Nummer wirklich todesmutig. …
1978, im Alter von 73 Jahren war Karl die Attraktion eines Karnevals in San Juan in Puerto Rico. Dort sollte er neunzig Meter über ein Seil in Höhe des zehnten Stockwerks gehen. Anfangs ging er sicher, in den Händen die fast fünf Meter lange Balancierstange, mit der Hochseiltänzer das Gleichgewicht halten. Als er das Seil etwa zur Hälfte überquert hatte, packte ihn ein plötzlicher Windstoß. Er fiel nach vorne und versuchte das Hilfsseil zu fassen, das zu dem Seil, auf dem er stand parallel verlief, aber er konnte keinen festen Halt daran finden. Er konnte nicht richtig zupacken, weil er noch die Balancierstange in der Hand hatte. Diese Stange, die ihm so oft das Leben gerettet hatte, kostete ihn jetzt das Leben. Er stürzte auf die Straße und verletzte sich tödlich - und während des ganzen entsetzlichen Sturzes in die Tiefe umklammerte er immer noch die Stange.

Nun zu der Frage:

Ich erlebe das Phasenmodell in der Mediation als äußerst hilfreich. Es gibt Struktur und Orientierung - sowohl den Konfliktparteien, als auch den MediatorInnen. Es ist ein Hilfsmittel - ein “Mittel zum Zweck”. Der “Zweck”, d.h. das Ziel der Mediation, ist es, zu einer praktikablen Lösung zu kommen, die die wesentlichen Bedürfnisse aller Konfliktparteien befriedigt und die diese gewillt sind, umzusetzen. Und wenn dieses “Hilfsmittel” seinen Zweck nicht (mehr) erfüllt, ist es gut, es los zu lassen - so wie die Balancierstange …

ABER - ich möchte unsere Trainees und andere, die sich in der Mediation üben wollen, ermuntern, das Hilfsmittel nicht zu früh loszulassen. Manche Unsicherheit oder Angestrengtheit kommt nicht daher, dass es nicht das richtige Instrument ist, sondern, dass es uns noch fremd ist und wir in der Handhabung noch nicht geübt genug sind.

Die spontane und intuitive Wahl von Methoden, Interventionen und “Hilfsmitteln” wird dann zur Kunst, wenn wir die Instrumente als solche gut und sicher handhaben können. Solange dies nicht der Fall ist, geht es - auch - darum, Situationen zu nutzen, um den Einsatz und die Handhabung dieser Methoden zu trainieren.

Wie sehen das andere? Ich bin gespannt auf eure Kommentare …

pdf-download.jpg der Wallenda-Geschichte

Stella-Award-Preisträger

Zum ewigen Ruhm der 81-jährigen Stella Liebeck, die sich bei McDonalds einen Becher Kaffee über den Leib schüttete und anschließend 160.000 US-Dollar Schmerzensgeld und 480.000 US-Dollar Strafschadensersatz erhielt, weil sie nicht auf die Tatsache hingewiesen worden sei, dass der Kaffee heiß ist, wird nun jährlich der STELLA-LIEBECK-PREIS, an diejenigen verliehen, die im jeweils vergangenen Jahr mit genialer Unverfrorenheit Schadenersatz gerichtlich forderten und erhielten.

Den 5. Platz teilen sich drei Kandidaten:

  • Kathleen Robertson aus Austin/Texas wurden von einer Jury 780.000 $ Schadenersatz zugesprochen, weil sie sich in einem Möbelgeschäft den Knöchel gebrochen hatte, nachdem sie über einen auf dem Boden herumkriechenden Säugling gestolpert und gestürzt war. Die Ladenbesitzer nahmen das Urteil gefasst aber ungläubig zur Kenntnis, da der Säugling der Sohn der Klägerin war.
  • Der 19jährige Carl Truman aus Los Angeles erhielt 74.000 $ Schmerzensgeld und Ersatz der Heilbehandlungskosten, weil ein Nachbar ihm mit seinem Honda Accord über die Hand gefahren war. Mr. Truman hatte anscheinend den Nachbarn am Steuer des Wagens übersehen, als er ihm die Radkappen zu stehlen versuchte.
  • Terence Dickson aus Bristol/Pennsylvanien versuchte das Haus, das er soeben beraubt hatte,durch die Garage zu verlassen. Es gelang ihm jedoch nicht, die Garagentür zu öffnen. Ins Haus kam er ebenfalls nicht mehr, da die Verbindungstür zur Garage in Schloss gefallen war. Mr. Dickson musste 8 Tagein der Garage ausharren, denn die Hausbesitzer waren im Urlaub. Er ernährte sich von einem Kasten Pepsi-Cola und einer großen Tüte Hundefutter. Das Gericht sprach ihm wegen der erlittenen seelischen Grausamkeit 500.000 $ Schmerzensgeld zu, zahlbar von der Einbruchdiebstahl-Versicherung des Hauseigentümers.

4. Platz
Jerry Williams aus Little Rock/Arkansas erhielt 14.500 $ Schmerzensgeld und die Heilbehandlungskosten zugesprochen, weil ihn der Beagle des Nachbarn in den Hintern gebissen hatte. Das Schmerzensgeld erreichte den geforderten Betrag nicht ganz, weil die Jury zu der Auffassung gelangte, Mr.Williams hätte nicht über den Zaun klettern und mehrfach mit seiner Luftpistole auf den Hund schießen sollen.

3. Platz
Ein Restaurant in Philadelphia musste an Ms Amber Carson aus Lancaster/Pennsylvanien ein Schmerzensgeld von 113.500 $ zahlen, weil diese im Restaurant auf einer Getränkepfütze ausgerutscht war und sich das Steißbein gebrochen hatte. Auf dem Fußboden befand sich das Getränk, weil Ms. Carson es 30 Sekunden zuvor ihrem Freund ins Gesicht geschüttet hatte.

2. Platz
Kara Walton aus Clymont/Delaware stürzte aus dem Toilettenfenster einer Diskothek und schlug sich zwei Vorderzähne aus. Sie erhielt die Zahnbehandlungskosten und 12.000 $ Schmerzensgeld zugesprochen. Gestürzt war sie bei dem Versuch, sich durch das Toilettenfenster in die Diskothek zu mogeln und 3.50 $ Eintritt zu sparen.

Platz 1 (einstimmig)
Unangefochtener Sieger des Wettbewerbs um den Stella-Award ist: Mr. Merv Grazinski aus Oklahoma City. Der Wohnwagenhersteller Winnebago Motor Homes musste ihm nicht nur ein neues Wohnmobil stellen, sondern auch 1.750.000 Schmerzensgeld bezahlen. Auf dem Heimweg von einem Football-Spiel hat Mr. Grazinski die Tempomatic seines Gefährts auf 110 km/h eingestellt und danach den Fahrersitz verlassen, um sich im hinteren Teil des Wohnmobils einen Kaffee zu bereiten. Das Wohnmobil kam prompt von der Straße ab und überschlug sich.

Mr. Grazinski begründete seine Forderung mit der Tatsache,dass in der Betriebsanleitung des Wohnmobils nicht darauf hingewiesen worden sei, dass man auch bei eingeschalteter Tempomatic den Fahrerplatz nicht verlassen dürfe. Der Hersteller hat - in Erwartung weiterer Trottel - inzwischen die Bedienungsanleitung geändert.

Quelle

Aktuelles: Stella-Award-2006 (engl.)

Gesucht: Prosa & Filme für die Mediation

Es gibt viele Fachbücher zum Thema Konfliktlösung, Mediation, Kommunikation, Verhandeln, Kreativität und und und. Nicht schwer zu finden sind auch die entsprechenden Literaturlisten. Was jedoch recht dünn gesäht ist, das sind Anregungen hinsichtlich unterhaltsamer Filme (Spielfilme) und Bücher (Romane, Kurzgeschichten, Bilderbücher), die sich mit Konflikten und Konfliktregelungen, mit Kommunikation oder auch schönen Lösungen für zwischenmenschliche Probleme.

Schön fände ich, wenn hier eine neue (andere) Literaturliste entstehen würde. Mit den folgenden Titel setze ich den Startschuss:

Literatur

  • Den Zaun streichen (aus: ‘Die Abenteuer des Tom Sawyer‘ von Mark Twain). Ein superschönes Beispiel für die Macht des Refraimings
  • Der Richter und sein Henker (Friedrich Dürrenmatt) Ein Kriminalroman um die Themen Schuld, Gerechtigkeit und die “Nichtberechenbarkeit des menschlichen Handelns”.
  • Illusionen (Richard Bach) Ein Märchenbuch für Erwachsene: Konstruktivismus pur.
  • Alice im Wunderland und Alice im Spiegelland (Lewis Carroll) “Im Absurden vermag der Geist einen Ausweg aus allen beliebigen Schwierigkeiten zu finden. Die Neigung zum Absurden öffnet dem Menschen aufs neue das geheimnisvolle Königreich der Kinder.”(Andre Breton)
  • Hans im Glück (Grimm’s Märchen). Niemand kann Situationen besser positiv konnotieren als Hans … Gutes Training für den Perspektivenwechsel.
  • Lernen und Freiheit (George Dennison). 6 Monate Tagebuch aus der Praxis der First Street School, über das Ringen der LehrerInnen um einen repressionsfreien Umgang mit ihren SchülerInnen. Anregend für MediatorInnen (besonders SchulmediatorInnen!) hinsichtlich einer wertschätzenden und mediativen Haltung bei Streit und Konflikten.
  • Der Adler, der nicht fliegen wollte (James Aggrey). Eine Bilderbuch-Geschichte zu den Themen “Unterdrückung”,”Zähmung” “Identität”, “Befreiung” …
  • Keine Zukunft ohne Versöhnung (Desmond Tutu) Ein sehr bewegendes Buch über das Projekt der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission: die Begegnung von Opfern und Tätern und die Beziehung von individuellen Geschichten und politischem Kontext.

Filme

So und jetzt seid ihr dran …

Frage: “Ab wann darf ich mich MediatorIn nennen?”

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Der Titel “Mediator” oder “Mediatorin” ist rechtlich (noch) nicht geschützt. Auch ohne jegliche Ausbildung kann sich fast jeder ein Schild an die Türe hängen und “MediatorIn” darauf schreiben. Auch die Ausübung der Mediation ist in Deutschland bisher (noch) nicht gesetzlich geregelt.

Die Ausnahme sind Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, die - soviel ich weiss - gemäß ihrer Berufsordnung (§ 7 a BORA) eine (mind. 80-stündige?) Ausbildung absolviert haben müssen, bevor sie sich MediatorIn nennen dürfen. (Falls ich da falsch liege, wäre ich für eine Korrektur dankbar.)

Bezüglich der “Führung der Bezeichnung ‘Mediator’ auf dem Briefkopf/Briefbogen” bei AnwältInnen gibt es einen Beschluss des Bundesgerichtshof vom Juli 2002, der auf den Seiten der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation dokumentiert ist. (Direkt Link)

Interessant und wichtig für ‘Nicht-Rechtsanwälte’ ist darin besonders der Satz “Die Mediation ist kein Rechtsgebiet, sondern eine alternative Methode der Konfliktlösung”. Ich finde diese höchstrichterliche Feststellung sichert uns ganz gut ab bzgl. möglicher Vorhaltungen, wir - die Nicht-Anwälte - würden mit der Mediation unerlaubte “Erledigung von Rechtsgeschäften” tätigen bzw. eine unerlaubte Rechtsberatung durchführen. Diese Sichtweise wird u.a. von anwaltlichen MediatorInnen vertreten, die gerne die Ausübung der Mediation für sich reklamieren würden.

Ob wir eine gesetzliche Regelung für die Mediation brauchen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Sehr wahrscheinlich wird sie in den nächsten Jahren kommen. In Österreich ist die Mediation z.B. schon gesetzlich geregelt (s. Mediationsgesetz Österreich)

Bis dahin werden sich die meisten Interessierten auch an den Qualitätsstandards der verschiedenen Fachverbände orientieren. Diese regeln bisher lediglich, wann man sich MediatorIn mit dem entsprechenden Kürzel des Verbandes - z.B. Mediator (BM) - nennen darf. Dafür gibt es verbindliche Ausbildungsordnungen (s. Ausbildungsstandard des Bundesverbandes Mediation) und entsprechende Anerkennungskommissionen.

Mich würde an dieser Stelle Erfahrungen von MediatorInnen interessieren, ob und in wie weit ihre “Kundschaft” bzw. ihr Klientel sich an diesen Qualitätsmerkmalen orientiert.

 

Grundausbildung Mediation 2008

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Termine für die neue Grundausbildung in Mediation 2008 (120 Std.)
mit
Mechtild Eisfeld
(Ausbilderin für Mediation BM; Projekt Mediation)
und
Christoph Besemer
(Ausbilder für Mediation BM; Projekt Mediation, Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden)
stehen jetzt fest:

 

1. Block: 15.-17. Feb. 2008
2. Block: 04.-06. April 2008
3. Block: 30. Mai – 1. Juni 2008
4. Block: 04.-06. Juli 2008
5. Block: 10.-12. Okt. 2008
6. Block: 28.-30. Nov. 2008

Ort:
Freiburg

Weitere Infos

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