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Archiv der Kategorie Gefühle

Den Stier bei den Hörnern packen …

 

“Den Stier bei den Hörnern packen - er ist blind, hungrig und dankbar.”

Diesen Satz fand ich in einer Seminarausschreibung von Christoph Thoman zum Thema Vergangenheitsbewältigung oder Zukunftsorientierung in der Mediation. (Das Seminar ist leider schon gelaufen.)

Er führt diese Metapher noch weiter aus:
“Den Stier bei den Hörnern packen - er ist blind, hungrig und dankbar! Er ist blind (in den Emotionen verloren und orientierungsbedürftig), hungert danach gesehen zu werden - und dankt es sofort: Er wird zahm und setzt seine Kraft zum Konstruktiven ein.”

Mir hat diese Metapher zur Arbeit mit Gefühlen in der Mediation gut gefallen, da sie sowohl die Gefährlichkeit und Brisanz der Gefühle würdigt, als auch voller Zuversicht ist hinsichtlich des Wandels, den wir bei den Gefühlen initiieren und begleiten können. Wer Christoph Thomann schon einmal in einem Workshop oder in einer Mediation erleben durfte, weiß um die Klarheit und die Eleganz mit der er in der Klärungshilfe mit den Gefühlen arbeitet.

Gefühle sind bei der Entstehung von Konflikten wesentlich beteiligt, daher spielen sie auch bei der Bearbeitung der Konflikte eine wichtige Rolle. Wir lernen in der Schule lesen, schreiben, rechnen und einiges mehr. Den bewussten, gestaltenden Umgang mit Gefühlen - unseren und denen unserer Mitmenschen - lernen wir leider viel zu wenig. Daher kann es auch passieren, dass der Stier uns gelegentlich auf die Hörner nimmt.

Damit diese Dynmiken in der Mediation nicht dem Zufall überlassen werden, ist das Thema “Umgang mit Gefühlen” ein wichtiger Bestandteil unserer Trainings.

Gefühle

Hermine schaute die beiden mit beinah mitleidiger Miene an.
»Versteht ihr nicht, wie Cho sich im Moment fühlt?«, fragte sie.
»Nein«, sagten Harry und Ron im Chor.
Hermine seufzte und legte ihre Feder weg.

»Nun, offensichtlich ist sie sehr traurig, weil Cedric gestorben ist. Dann,
vermute ich, ist sie durcheinander, weil sie Cedric gern hatte und jetzt Harry, und sie kriegt nicht auf die Reihe, wen sie am liebsten mag. Und dann fühlt sie sich wohl auch schuldig, weil sie glaubt, dass sie Cedrics Andenken beleidigt, wenn sie Harry überhaupt küsst, und sie macht sich wahrscheinlich auch Gedanken, was all die anderen über sie sagen könnten, wenn sie anfängt mit Harry auszugehen.
Und sie ist sich wohl ohnehin nicht im Klaren, was sie für Harry empfindet, weil er mit Cedric zusammen war, als er starb, deshalb ist das alles sehr kompliziert und schmerzhaft. Oh, und außerdem hat sie Angst, dass man sie aus der Ravenclaw-Quidditch-Mannschaft rauswirft, weil sie in letzter Zeit so schlecht fliegt.«

Dem Ende dieses Vortrags folgte ein leicht überraschtes Schweigen, dann sagte Ron: »Das kann doch ein Mensch nicht alles auf einmal fühlen, er würde ja explodieren.«

»Nur weil du die Gefühlswelt eines Teelöffels hast, heißt das nicht, dass es uns allen so geht«, sagte Hermine und nahm ihre Feder wieder zur Hand.

Das sollten sie uns hier beibringen, dachte Harry und drehte sich zur Seite. Wie die Gehirne von Mädchen ticken … das war jedenfalls nützlicher als Wahrsagen …

(Quelle: aus einem der 7 Harry-Potter-Bände)

 

 

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Körperhaltung & Gefühl

Hier das nette Bild, das ich letztens beim Workshop leider nicht präsent hatte:

Charly Brown Depression

Praktische Übung:

Nimm nacheinander verschiedene Körperhaltungen ein und spüre nach, welches Gefühl am leichtesten damit korrespondiert:

• gebeugtes Stehen, Kopf hängen lassen, Blick zum Boden, wenig Körperspannung (à la Charly Brown)
• aufrechtes Stehen, Blick gerade aus, Schultern zurück, sich “groß” machen

Sind Unterschiede spürbar?

Oder es reicht auch schon, nur die Mimik zu verändern:

• schau grimmig drein - was fühlst du?
• jetzt lächle - was verändert sich in deinem Empfinden?
• mache eine Weile bewusst ein trauriges Gesicht - hat es Auswirkung auf dein Gefühl?

.
    Diese Übung in den Alltag übertragen:

    Beim nächsten Mal, wenn du in gedrückter Stimmung bist, dich vielleicht schlapp und lustlos fühlst - nimm bewusst wahr, welche Körperhaltung du jetzt gerade hast - ohne etwas zu verändern!Dann überlege, wie deine Körperhaltung wäre, wenn du voller Energie und gut drauf wärest. Gehe dann bewusst in diese Körperhaltung, bleibe so eine Weile und spüre nach, ob und ggf. wie sich dein Gefühl bzw. deine Stimmung verändert. Nimm die Körperhaltung ein, die deiner “Wunschstimmung” am ehesten entspricht. Schau, wie lange du dies halten kannst.
    ___________

    Was passiert dabei bei Dir? Was funktioniert und was nicht? Du kannst uns hier gerne deine Erfahrungen mitteilen.

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